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Das Bild der Europäischen Union in der schwedischen Öffentlichkeit

Von Anemone Schlich

Eine qualitative Inhaltsanalyse der Europadebatte in vier überregionalen schwedischen Tageszeitungen, ergänzt durch die sekundärstatistische Analyse der schwedischen öffentlichen Meinung zu Fragen der europäischen Integration.

Covergrafik: Schären-Haus vor Statistiken und Europafahne (Europäische Kommission/Eurostat/privat)

 
 

Die Schweden sind Europa-Skeptiker ...

... das ist nicht neu. Schlicht vernichtend sind trotzdem die Ergebnisse dieser inhaltsanalytischen Studie für die Anhänger eines föderalen Europas. Denn die Schweden fühlen sich von der Europäischen Union bedroht und überrumpelt. Verhandlungen auf europäischer Ebene beurteilen sie nach einem Sieger-Verlierer-Schema. Sich selbst sehen sie dabei als alleinige Kämpfer für die gute Sache – Umwelt, Offenheit, Osterweiterung. Viele Schweden glauben, dass ihr Land in Europa eine Vorbildfunktion haben sollte, während jedoch die tatsächliche Zusammenarbeit von den großen Mitgliedsstaaten bestritten werde.


Schweden assoziieren mit EU vorwiegend Negatives

Erhebliche Teile der schwedischen Bevölkerung würden das Experiment EU-Mitgliedschaft lieber heute als morgen beenden. Denn die Europäische Union ist für viele Schweden gleichbedeutend mit Zentralismus, Katholizismus, kontinentalen Verwaltungstraditionen, niedrigen Umwelt- und Verbraucherstandards, Einschnitten ins Sozialsystem, Undurchsichtigkeit und Pfusch, Drogen, Verbrechen, Alkohol und Schmuggel.

Skepsis gegenüber Supranationalität

Die Schweden erwarten von der EU, dass sie für wirtschaftliche Entwicklung, Beschäftigung und Wohlfahrt sorgt – mehr nicht. Der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) nähern sie sich nur aus Furcht vor einer Außenseiterstellung ganz langsam an. Supranationale Entwicklungen lehnen sie ab; insgesamt halten sie die Union für zutiefst undemokratisch.

Bedeutung für Europa insgesamt

Darüber hinaus lassen die Ergebnisse der Studie auch den Schluss zu, dass das Bild, das sich die Bürger Europas von der Union machen, deutlich national konditioniert ist. In Schweden spiegelt es die Konfliktlinien der heimischen politischen Kultur. Und: Deutlich werden eine Spaltung in Modernisierungsgewinner und –verlierer, Gegensätze zwischen Zentrum und Peripherie in der Beurteilung der EU und das Ausbleiben eines Positivtrends zur Integration. Zwar mögen diese Tendenzen in Schweden am deutlichsten wahrnehmbar sein, vorhanden sind sie auch in anderen Mitgliedsstaaten. Die Skepsis eines kleinen Volkes am Rande Europas – nur die besonders starkte Ausprägung eines europaweiten Unbehagens?

Die Monographie basiert auf einer am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bei Prof. Dr. Dr. hc. Reinhard Meyers eingereichten Magisterarbeit.

     
   

Der Andere Verlag
ISBN 3-89959-243-3

Buchcover Anemone Schlich: Das Bild der Europäischen Union in der Schwedischen Öffentlichkeit, Der Andere Verlag, Osnabrück 2004

 
© 2004-2005